Bratkartoffel trifft syrisches Reisgericht

Deutsche Bratkartoffel trifft syrisches Reisgericht

 

In der Lehrküche der JCS herrscht gespannte Aufregung! Die Frage steht allen ins Gesicht geschrieben: Werden wohl einige Flüchtlinge kommen? Bis zuletzt blieb unklar, ob überhaupt jemand kommt. Und wenn jemand kommt: Wer kommt? Wie viele kommen? Klappen die Rezepte und wie soll man sich verständigen?

 

Vergangenen Donnerstag, zu Beginn der 9. Stunde, stehen 16 Schülerinnen und Schüler des Philosophiekurses Q2 in den Startlöchern, um ein weiteres vorbereitetes Projekt der letzten Wochen in die Tat umzusetzen. Die Rezepte liegen verteilt auf den Küchenbänken, die Zutaten sind gekauft und liegen bereit. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Köche! Dies sollen heute neben den Schülern der Q2 auch einige Flüchtlinge aus Nordkirchen sein…

 

 

 

Herr Kemler, ein ehrenamtlicher Flüchtlingskoordinator aus Nordkirchen, hat den Kontakt hergestellt und bringt in der nächsten halben Stunde 4 Familien, die alle ihre Kinder mitgebracht haben. Die Stimmung ist gut, auch wenn man sich erst mal beschnuppern muss. Doch das Eis ist schnell gebrochen, schließlich ist etwas zu kochen und alle haben Hunger mitgebracht! Für wichtige Absprachen steht Sonagule Tün bereit. Die Schülerin der Q2 spricht neben Deutsch und Englisch auch hervorragend Türkisch und Kurdisch.

 

Sofort werden Hände gewaschen und es bilden sich kleine Kochgruppen. Herr Seik, Lehrer des Philosophiekurses freuen besonders die gemischten Gruppen, in denen sich mit Händen und Füßen verständigt wird. Alle haben auch abseits von Wort und Grammatik viel Spaß – Lachen ist wohl eine Weltsprache! Neben einem deutschen Salat mit roter Beete und viel Gemüse gibt es Bratkartoffeln und paniertes Hähnchenschnitzel! Außerdem werden viele weihnachtliche Kekse zubereitet.

Neben vielen syrischen Familien ist eine irakische Familie dabei und möchte aus Respekt das gemeinsame Gericht um eine lokale Spezialität erweitern. Es fehlen jedoch Tomaten und Reis, die Till Aldenhövel kurzerhand besorgt. Auch bei einem zweiten Gang für weitere Kartoffeln murrt er nicht. Alle Kosten für die Zutaten werden freundlicherweise vom Förderverein der JCS übernommen – vielen Dank dafür!

 

 

 

Es wird fleißig paniert, geschnitten, geknetet und gerührt. Die Backöfen laufen auf Hochtouren und alle sind eingespannt. Besonders die Kleinen haben Spaß beim Kartoffeln schälen und Vanillekipferl rollen! Neben dem Zubereiten ist auch Zeit für kurze Gespräche, z.B. mit H., der einen Laden für Computer in Damaskus hatte und bei einer Bombenexplosion einen Granatsplitter in den Bauch bekam. Mit dem Ehepaar aus dem Irak, die als einzige der Gruppe an einen anderen Ort geschickt wird. Über die Ungewissheit, was in den nächsten Wochen passiert.

Das gemeinsame Kochen lenkt aber auch ab, von Schicksalen und hilft allen an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten. Sprache und Kultur spielen dort nur nachrangig eine Rolle! Es ist fertig gekocht und während die Erwachsenen den Tisch decken und auftischen, tobt sich Adrian Bechthold draußen mit den Kindern beim Fußballspielen aus – auch im Sport gibt es keine Ländergrenzen.

 

Das gemeinsame Verspeisen ist ein Highlight, sowohl für den Gaumen als auch für die Stimmung. Der Aufregung vor dem Ungewissen zu Beginn des Treffens ist ein entspanntes Beisammensein gefolgt, da alle mit den Ergebnissen sehr zufrieden sind. Neben vielfältigen Speisen konnte auch der Gebrauch von Fladenbrot als Besteckersatz erprobt werden. Es folgt das gemeinsame Aufräumen, bei dem die Realität alle schnell wieder einholt: Alle Flüchtlinge aus Nordkirchen werden bereits in den kommenden frühen Morgenstunden in andere Unterkünfte verlegt. Zwar wollen Sie noch das Geschirr mit abspülen, besonders einige Kinder sind von der Spüle gar nicht mehr weg zu bekommen, aber letztlich müssen noch die Koffer gepackt werden und mittlerweile ist es halb 6.

 

 

 

 

 

Und plötzlich sind die Flüchtlinge wieder weg, was bleibt ist ein schöner Abend mit leckeren Gerichten, viele glückliche Gesichter auf Schülerseite und hoffentlich ein gutes Gefühl bei Familien auf der Flucht. Und auf der Tafel ein Dankeschön, auf arabisch, französisch, kurdisch und deutsch…

 

 

 

http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/nordkirchen/Johann-Conrad-Schlaun-Schule-Nordkirchener-Schueler-kochen-mit-Fluechtlingen;art1054,2894927

 

http://www.wa.de/lokales/herbern/schlaun-schueler-nordkirchen-laden-fluechtlinge-kochen-5952282.html

Ulrich Vomhof