JCS ist Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage!

Als Schule ohne Rassismus hat das JCS eine Auszeichnung erhalten, aber auch einen Auftrag

Es ist offiziell: Nordkirchens Gesamtschule ist eine „Schule ohne Rassismus“. Die Eigeninitiative einer Schülerin hat das Projekt erst ermöglicht. Doch: Die Aufgabe fängt jetzt erst an.

Text und Fotos: Mona Wellershoff, Ruhrnachrichten

Die offizielle Übergabe der Urkunde sowie des Schildes mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus“ für die Johann-Conrad-Schlaun Gesamtschule in Nordkirchen fand Mittwoch, 3. April, unter dem Beisein aller circa 950 Schüler und Schülerinnen, sowie der gesamten Lehrerschaft statt.

Den Titel hat sich die Schule durch den Einsatz von Schülersprecherin Marlene Bücker verdient.

„Mein Wunsch, das Projekt in die Wege zu leiten, fing an, als eine Lehrerin mir erzählte, dass Flüchtlingskinder an unserer Schule beleidigt wurden“, erinnerte sich die 18-Jährige. „Unser Engagement soll zeigen, dass wir diese Probleme haben, aber auch dagegen vorgehen. Außerdem leben wir in Nordkirchen auf einem sehr konservativen Fleckchen. Wir haben hier das Problem, dass jede Form der Andersartigkeit eher schwierig angenommen wird. Die Schule sollte meiner Meinung nach einen Schutzraum bieten“.

Daraufhin habe sich die Schülervertretung mit der Courage-AG zusammengesetzt und man sei in jede Klasse gegangen und habe über das Thema Rassismus informiert. Im Mai sei außerdem eine Aktion gestartet worden, bei der jeder Schüler ein Herz mit Botschaften wie „Schön, dass du da bist“ erhalten habe, erklärte sie. Dann habe man in der Schule Unterschriften gesammelt, um die Teilnahme an dem Projekt zu ermöglichen. Ergebnis: rund 80 Prozent der Schüler Zustimmung. Nötig wären laut des Netzwerkes Schule ohne Rassismus 70 Prozent der Schüler gewesen, um die Auszeichnung zu erhalten.

Alle versammeln sich, als Zeichen für Geschlossenheit

Schulleiter Ulrich Vomhof sprach davon, dass die Aufgabe der Schule gerade erst anfange und man mit der Ernennung zur Schule ohne Rassismus eine Verpflichtung eingegangen sei. Eine Verpflichtung, hinter der die Schule geschlossen steht: „Deshalb war es mir auch wichtig, dass alle Schüler und Lehrer bei der Zeremonie dabei sind.“

Die regionale Koordinatorin des Netzwerkes Schule ohne Rassismus, Lydia Kerkfeld, überreichte das Schild, sowie eine Urkunde und bekräftigte noch einmal: „Das ist eine Auszeichnung, aber auch ein Aufgabe.“

Im Anschluss trug die Patin der Schule, die Künstlerin Isabel Liphtay, die selber 1983 vor der chilenischen Diktatur floh, ein Gedicht über ihre eigenen Erfahrungen mit Migration vor. „Ich bin stolz, Patin dieser Schule zu sein“, sagte sie.

Auf die Frage der Redaktion, ob Marlene Bücker sich durch die Ernennung zur Schule ohne Rassismus eine Verbesserung im Kampf gegen den Rassismus erhoffe, antwortete die 18-Jährige: „Mobbing wird es wohl leider immer geben. Dennoch, die Schule macht Erwachsene. Deshalb sollte ein offenes Weltbild gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt neben dem üblichen Lernstoff vermittelt werden.“

Ulrich Vomhof